Aktuelles Programm

Die Vortragsreihe findet als Online-Veranstaltungsreihe statt.
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Klasse als Kampfbegriff:
Zur Klassenausblendung (in) der bildenden Kunst
PD Dr. Jens Kastner (Akademie der bildenden Künste Wien)

Klasse ist in doppelter Hinsicht ein Kampfbegriff: Er zielt darauf, das Ausbeuterische und Segregierende von ökonomischer und kultureller Herrschaft sichtbar zu machen. Und er zielt zugleich darauf, eine Klasse herzustellen, die dagegen vorgeht, also auf die sichtbare Konstitution einer Akteurin gegen diese Ausbeutung und Spaltung. Nun kann man sich fragen, welche Rolle die bildende Kunst als gesellschaftlicher Spezialbereich der Sehverhältnisse – also als Produktions-, Rezeptions- und Verhandlungsort der Bewertung von Sehen und Gesehenem – in diesem Kampf um Klassenkonstitution und -sichtbarkeit spielt. Es stellt sich also die Frage, was die bildende Kunst zur (Un-)Sichtbarkeit und damit auch zur (Nicht-) Repräsentation von Klasse, speziell der Arbeiter*innenklasse, beigetragen hat und beiträgt. Die Antwort lautet: „Viel!“. Und sie ist Thema dieses Vortrags.

PD Dr. Jens Kastner: Soziologe und Kunsthistoriker, lebt als freier Autor und Dozent in Wien. Er ist Senior Lecturer am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien und Privatdozent an der Fakultät Kulturwissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg. Er arbeitet zu Kulturtheorie und Kunstkritik, Geschichte und Theorie sozialer Bewegungen, Anarchismus und Latin American Studies. Seit 2005 ist er koordinierender Redakteur von Bildpunkt. Zeitschrift der IG Bildende Kunst. Zuletzt erschien von ihm Die Linke und die Kunst. Ein Überblick (Münster 2019). www.jenspetzkastner.de

Rettet das Feuer (D 2019, 82 min):
Film über den Fotografen Jürgen Baldiga und Gespräch mit dem Filmemacher Jasco Viefhues

Jasco Viefhues (Berlin)

Film und Diskussion mit Jasco Viefhues (Regie und Drehbuch): Berlin, 1993. Der Fotograf und Künstler Jürgen Baldiga kämpft gegen das HI-Virus. In den neunziger Jahren erreicht die Aids-Epidemie ihren Höhepunkt, auf den Niemand vorbereitet ist. Die infizierten Körper und ihre Geschichten verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Den Tod der Freunde, und den eigenen vor Augen wird Baldiga zum Chronisten seiner Zeit. „Ich mache ein Foto. Ich fotografiere die Welt. Ich existiere“. Ohne die Erinnerung verschwinden Identität und Geschichte. Bis zum letzten Tag arbeitet Jürgen Baldiga an der Dokumentation eines Exodus, der auch ihn erfasst. Der Dokumentarfilm Rettet des Feuer richtet den Blick auf ein Stück Westberliner Geschichte und die Stimmen des kollektiven Gedächtnisses.

Jasco Viefhues ist seit 2001 im Bereich neue Medien, Design und Film tätig. Er ist Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) im Fach Regie und war Studienstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mit dem Kurzfilm Kafarnaum war er 2010 für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert, und er zeigte seinen Kurzdokumentarfilm Internal Body Shots im Rahmen der 64. Berlinale 2014. Die Premiere seines Films Rettet das Feuer fand bei den Münchener Filmfestspielen 2019 in der Sektion Neues deutsches Kino statt. Seit 2016 erweitert er sein künstlerisches Repertoire um die Arbeit als Dramaturg, Workshop-Leiter und Videokünstler am Theater Ballhaus Naunynstraße in Berlin. Dort realisiert er derzeit das Theaterstück complex of tension, new rituals of black masculinity.

Ehe, Tod und Queer Cinema
Dr. Natascha Frankenberg (Ruhr-Universität Bochum)

Ehe und Tod sind zwei prominente Elemente im narrativen Film, die zu einer Schließung der Erzählung führen. Laura Mulvey hat sie als strukturierende Motive in dieser Form benannt. Für queere Politiken sind sie zudem zentrale Austragungspunkte für Fragen nach gesellschaftlicher Anerkennung und Ausschlüssen. An ihnen zeigen sich Homonormativität wie auch homophobe Gewalt. Wie lassen sich die beiden Motive im Queer Cinema finden und in welchen Formen werden an Ihnen Hoffnung und Trauer verhandelt? 

Dr. Natascha Frankenberg ist Film- und Medienwissenschaftlerin und Kuratorin für queeren Film. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum und konzipiert für das Internationale Frauenfilmfestival DortmundKöln die Sektion für queeren Film: begehrt! Promoviert wurde sie mit einer Arbeit an der Schnittstelle von Queer Studies und Filmwissenschaft zur Auseinandersetzung mit Zeitlichkeit.

Queere Für Sorge!
Care und Prekarität jenseits von Zweigeschlechtlichkeit

Francis Seeck (Alice-Salomon-Hochschule Berlin)

Sorgearbeit umfasst Tätigkeiten, in denen andere Menschen umsorgt werden, z.Β. Pflege, emotionale Unterstützung, Begleitung und Betreuung. Sorgearbeit wird in unserer Gesellschaft wenig anerkannt, findet oft unbezahlt oder unterbezahlt statt und ist häufig unsichtbar. In diesem Vortrag geht es um trans* und queere Praktiken der Sorgearbeit. Wie ist Sorgearbeit mit Geschlecht und Begehren verknüpft? Wie wird Sorgearbeit jenseits von Zweigeschlechtlichkeit organisiert? 

Der Ausgangspunkt dieses Vortrags ist meine Dissertation, im Rahmen derer ich von 2016-2018 Interviews mit trans* und nicht-binären Care Aktivist*innen und Sorge-Gebenden in Deutschland und der Schweiz führte und sie bei ihrer Arbeit begleitete. In dem Vortrag werde ich aufzeigen wie Fragen von trans* und queerer Sorgearbeit eng mit der Frage von Prekarität, d.h. unsicheren Lebens- und Arbeitsverhältnissen verbunden sind. So werden in trans* und nicht-binären Sorgegemeinschaften neue Formen von Care entwickelt, die einen Umgang mit sozialer Ungleichheit anstreben, diese aber auch reproduzieren.

Francis Seeck ist Geschlechterforscher*in und Kulturanthropolog*in und arbeitet zu den Themen Klassismus, soziale Ungleichheit, Care und geschlechtliche Vielfalt.Seit September 2020 ist Seeck Vertretungsprofessor_in für Soziologie und Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule Neubrandenburg. Im Oktober 2020 erschien der Sammelband „Solidarisch gegen Klassismus. Organisieren, intervenieren, umverteilen“ herausgegeben von Francis Seeck und Brigitte Theißl bei Unrast.

Race, Repräsentation und Popkultur:
Perspektiven aus der Critical Race Theory

Dr. Alexandra Hartmann (Universität Paderborn)

Der Vortrag bietet eine Einführung in zentrale Debatten der Critical Race Theory. Diese Debatten reichen von Post-Race, d. h. der Vorstellung, dass Race im 21. Jahrhundert kaum noch eine Rolle spielt, bis hin zum Afropessimism, der davon ausgeht, dass die Welt von Grund auf antiblack gestaltet ist und Afroamerikaner*innen bis heute das sogenannte Afterlife des transatlantischen Sklavenhandels erfahren. Dazwischen lässt sich Black Humanism verorten, der weder den Optimismus noch Pessimismus der beiden anderen Positionen teilt. Der Vortrag nimmt für die Darstellungen der verschiedenen Positionen exemplarisch HBOs Serie Watchmen (2019) in den Blick und reflektiert, wie die unterschiedlichen theoretischen Positionen in visueller und populärer Kultur Ausdruck finden. Diese spiegeln nicht zuletzt auch aktuelle politische Diskurse in den USA und Deutschland über Diversität, Repräsentation und Gerechtigkeit wider. 

Dr. Alexandra Hartmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Amerikanistik an der Universität Paderborn. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in den Black Studies und ihre Dissertation untersuchte Black Humanism als eine intellektuelle Tradition in Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Darüber hinaus hat sie zu Black Lives Matter und Musik, antirassistischer Theorie und Complicity publiziert. Forschungsaufenthalte führten sie an die Harvard University und die Washington University in St. Louis.