Aktuelles Programm

Die Vortragsreihe findet als Online-Veranstaltungsreihe statt.
Wir bitten um Anmeldung via E-Mail an
differenzgestalten@folkwang-uni.de

Intersektionaler Aktivismus – Kein Platz für Jüdinnen*Juden?
Ina Holev und Miriam Yosef(Jüdisch & Intersektional – Initiative für kritische Bildungsarbeit )

Jüdinnen*Juden bleiben im intersektionalen, feministischen Aktivismus oft unsichtbar. Obwohl Antisemitismus ein globales und intersektionales Problem ist, werden jüdische Perspektiven in feministischer und antirassistischer Arbeit meist ausgeblendet. Intersektionaler Aktivismus schafft es regelmäßig nicht, Antisemitismuskritik erfolgreich einzubeziehen. Teilweise werden antisemitische Haltungen sogar reproduziert. Woran liegt dieser Ausschluss von jüdischen Perspektiven? In unserem Vortrag wollen wir dieser Frage nachgehen. Außerdem wollen wir besprechen, inwieweit intersektionaler Feminismus dazu geeignet ist, gegen Antisemitismus vorzugehen.

Jüdisch & Intersektional — Initiative für kritische Bildungsarbeit wurde von Ina Holev und Miriam Yosef konzipiert, um am Schnittpunkt von jüdischem Erfahrungswissen, kritischen akademischen Diskursen und aktivistischer Praxis zu agieren. Ziel von Jüdisch & Intersektional ist es, mit Workshops, Vorträgen und Beratungsangeboten für Antisemitismus zu sensibilisieren und Jüdinnen*Juden in feministischen Kontexten Sichtbarkeit zu verleihen und zu empowern.

Ina Holev schreibt und spricht als freie Journalistin, Autorin und Medienkulturwissenschaftlerin über Feminismus, Digitales, Repräsentationsfragen und jüdische Lebensrealitäten.

Miriam Yosef promoviert und forscht zum Thema Menschenrecht & intersektionaler Gerechtigkeit und ist aktuell Research Fellow bei ELES. Als freie Bildungs- und Kulturvermittlerin, Kuratorin und Autorin ist Miriam Yosef mit einem Fokus auf Machtkritik und Empowerment tätig.

Solidarität und Spannungen: Zum Verhältnis schwarzer und jüdischer Communities in den USA
Sina Arnold (Technische Universität Berlin)

Seit den Black Lives Matter Protesten im vergangenen Jahr wird in den USA, auch angesichts vereinzelter Angriffe auf jüdische Geschäfte und Synagogen, erneut über das Verhältnis von Schwarzen und Juden*Jüdinnen diskutiert. Historisch war dieses von Solidarität wie von Konflikten geprägt. Der Vortrag behandelt einige zentrale historische Phasen, wie etwa die gemeinsamen Kämpfe in der Bürgerrechtsbewegung oder das Entstehen eines antizionistischen schwarzen Nationalismus. Er fragt, ob es tatsächlich einen spezifischen black antisemitism gibt und diskutiert die Rolle von whiteness für existente Spannungen zwischen den Communities. Schließlich beleuchtet er aktuelle Kooperationen angesichts von Trump-Administration und militanter rechter Mobilisierungen und fragt, welche Implikationen die US-Geschichte für antirassistische und anti-antisemitische Bewegungen in Deutschland haben könnte.

Dr. Sina Arnold ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Von ihr sind u.a. erschienen Das unsichtbare Vorurteil. Antisemitismusdiskurse in der US-Linken nach 9/11 und, gemeinsam mit Olaf Kistenmacher, Der Fall Ethel und Julius Rosenberg. Antikommunismus, Antisemitismus und Sexismus in den USA zu Beginn des Kalten Krieges.

Disability Can Save Your Life
Kenny Fries (Schriftsteller I Berlin)

When disability is placed at the center of events, where it belongs, it provides the lens through which much of our society‘s ills can be clearly seen and, thus, changed. Writer Kenny Fries will read and talk about how societal views of disability, most importantly eugenics, has come to the surface once again as the COVID pandemic confronts us. He makes connections between his research on Aktion T4, the Nazi program that mass murdered disabled people, and how it resonates today, as well as the importance of understanding how disability representation affects all of us, disabled and nondisabled alike.

Der Vortrag „Disablity Can Save Your Life“ von Kenny Fries findet in englischer Sprache statt.

Kenny Fries is the author of In the Province of the Gods, The History of My Shoes and the Evolution of Darwin‘s Theory, and Body, Remember. He edited Staring Back: The Disability Experience from the Inside Out and his books of poems include In the Gardens of Japan and Anesthesia. His forthcoming book is Stumbling over History: Disability and the Holocaust. He teaches Creative Writing at Goddard College.

More than a Feeling: Schwarze feministische Wut und die „postrassistische“ Gesellschaft
Anne Potjans (Humboldt-Universität zu Berlin)

In einem hybriden Werk aus Lyrik und Bildern beschreibt Claudia Rankine in Citizen: An American Lyric (2015) Schwarze Trauer und das Trauma kontinuierlicher Erfahrung rassistischer Unterdrückung. Im Mittelpunkt steht die Darstellung von Wut. In meinem Vortrag diskutiere ich die Bedeutung von emotionaler Kontrolle und Reglementierung für die Aufrechterhaltung hierarchischer Gesellschaftsordnungen. Dabei baue ich auf die wegweisenden Arbeiten von Schwarzen Feministinnen und Feministinnen of Color auf: Audre Lorde, Patricia Hill Collins, bell hooks, Britney Cooper, Sara Ahmed, Rebecca Chemaly und Bettina Judd. Ihre Interventionen rehabilitieren die transformative Kraft der „angry Black woman“ und erkennen in Schwarzer Wut ein Werkzeug zur kritischen Auseinandersetzung mit Rassismus.

Anne Potjans lehrt amerikanische Literatur und Kultur am Institut für Anglistik und Amerikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie die Darstellung von Wut und dem Abjekten in Schwarzer feministischer Literatur. Sie hat eingehend zu diasporischen Verbindungen zwischen afroamerikanischer und afrodeutscher feministischer Literatur in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg geforscht. Ein Forschungsaufenthalt führte sie im WS 2019/20 an die University of Washington in Seattle.

An das „Ungedachte“ rühren: Anti-Blackness, Afro-Pessimismus und zeitgenössische Kunst und Literatur
Marius Henderson (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

Afro-Pessimistische Theoriebildung stellt Grundannahmen etablierter kulturtheoretischer Strömungen in Frage. Zentraler Ausgangspunkt sind „ungedachte“ Positionen; mit Fokus auf rassialisierte, Schwarze Positionalitäten, welche seit Beginn des transatlantischen Versklavungshandels konstitutiv aus der Sphäre des „Menschlichen“ ausgeschlossen werden. Afro-Pessimistische Theoriebildung analysiert strukturelle, ontologisierte Anti-Blackness als Fundament für systemischen, veralltäglichten anti-Schwarzen Rassismus. Daher gibt es Resonanzen zwischen Afro-Pessimismus und Aktivismus, z.B. der Black Lives Matter Bewegung, ebenso wie mit rassismuskritischen künstlerischen und literarischen Praxen – z.B. in Arbeiten von Hannah Black und Xandria Phillips, die Formen der anti-Schwarzen ästhetischen Fetischisierung von gewaltsamer Verdinglichung radikal unterhöhlen und die Limitierungen reiner Symbol- und Repräsentationspolitiken übersteigen.

Marius Henderson ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anglistik und Amerikanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Dissertation Writing during the Disasters: Modes of Rendering Suffering in Contemporary Experimental American Poetry hat er 2019 erfolgreich an der Universität Hamburg verteidigt. Seine Forschungsinteressen umfassen Affekttheorien, Modernismen, experimentelles Schreiben, afro-diasporische, feministische und queere Theoriebildung sowie künstlerische Forschung. Zuletzt erschien „Passing Tone/Note“ im Sammelband Who Can Speak and Who Is Heard/Hurt?