Aktuelles Programm

Wir bitten um Anmeldung zu den Veranstaltungen ab dem 07.12.2021 unter differenzgestalten@folkwang-uni.de. Wir halten Sie entsprechend auf dem Laufenden ob der jeweilige Vortrag als Präsenz- oder Onlineformat stattfinden wird. Wir richten uns nach der aktuellen Pandemie-Lage.

Die Vorträge von Jakob Schnetz am 07.12. und Şeyda Kurt am 14.12. finden als Onlineformat statt. Anmeldung unter: differenzgestalten@folkwang-uni.de

Genderation (2021)
Monika Treut (Filmemacherin I Hamburg) // 17:45 Uhr im Kino Eulenspiegel (Steeler Straße 208-212) / Eintritt 9 €, Erm. 8 €

Über zwei Jahrzehnte nach Gendernauts (1999) kehrt Monika Treut nach Kalifornien zurück, um die Protagonist*innen ihres bahnbrechenden queeren Filmklassikers wiederzutreffen. Sandy Stone, Susan Stryker, Stafford und Max Wolf Valerio waren einst die jungen Pionier*innen der Transbewegung und lebten fast alle in der damaligen Außenseitermetropole San Francisco. Heute sind sie zwischen 58 und 84 Jahre alt, und kaum eine*r kann es sich noch leisten, in der Stadt zu wohnen. Doch die Energie der Gendernauten und ihrer Unterstützer*innen Annie Sprinkle und Beth Stephens ist ungebrochen. Wie hat sich ihr Leben verändert? Wie gehen sie als Bürgerrechts-Aktivist*innen mit der rechtskonservativen Politik um, die die lange erkämpften Rechte der Minderheiten bedroht? Genderation wirft einen utopischen Blick zurück und zeigt den kreativen Widerstand der Gendernauten gegen die bedrohlichen Lebensbedingungen in den USA.

Dr. Monika Treut ist Autorin, Regisseurin und Produzentin, arbeitet seit 1983 mit Film und Video. 1984 gründete sie zusammen mit Elfi Mikesch die Hyäne Filmproduktion GbR in Hamburg und Berlin. Von 1989 bis 1992 lebte und arbeitete sie in New York. Seit 1992 ist Treut Inhaberin der Produktionsfirma Hyena Films e.K. in Hamburg. Von 1995 bis 2011 unterrichtete sie an Hochschulen der USA u.a. am Art Institute in San Francisco. Ihre zahlreichen Spiel- und Dokumentarfilme erhielten Preise in Italien, Brasilien, England und Griechenland. 2017 wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem „Lifetime Achievement Award“ in Tel Aviv und mit dem „Special Teddy“ der Berlinale ausgezeichnet.

Beharrliche ApparateWeiße Normierungen in fotografischer Technologie
Jakob Schnetz (Fotograf I FUdK Essen)

Apparatgeschichten sind stets auch Ideengeschichten: Fotografische Technologien nutzen nicht einfach natürliche Gegebenheiten aus, sondern sind untrennbar an kulturelle Vorannahmen geknüpft. Aus einer rassismuskritischen Perspektive behandelt der Vortrag die Einschreibung weißer Normierungen und deren Implikationen für die Sichtbarkeit Schwarzer Menschen in analoger Farbfotografi e, digitaler Fotografie sowie der algorithmischen Nutzung digitaler Bilddaten. Vor dem Hintergrund dieser als technisch informativ verhandelten Medien betrifft dies auch das apparativ erzeugte, prekäre Wissen über Schwarze Hautfarben, welches in technologischer Beharrlichkeit zugleich bekräftigt wird.

Jakob Schnetz ist Fotograf und verfolgt neben Auftragsarbeiten im journalistischen und kommerziellen Kontext Buch- und Ausstellungsprojekte in den Themenfeldern Ökonomie und Repräsentation. Er studierte Fotojournalismus in Hannover und Tomsk und ist seit 2019 Student im Masterprogramm Geschichte und Theorie der Fotografi e an der Folkwang Universität der Künste. Seine Forschungsinteressen liegen dabei auf Apparatgeschichten, Digitaler Bildlichkeit, Farbtheorien und Critical Cultural Studies.

Radikale Zärtlichkeit als emanzipatorische Praxis
Şeyda Kurt (Autor*in I Berlin)

Der Begriff emanzipatorisch lässt sich aus dem Lateinischen ableiten: Ursprünglich als „freilassen“ verstanden, lässt er sich in gegenwärtigen politischen Kontexten und Bewegungen als „sich befreien“ übersetzen. Es geht um die Befreiung unterdrückter, ausgebeuteter Menschen aus unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen. Zugleich geht es um ein politisches Streben nach Gleichheit und einer Gesellschaft ohne gewaltvolle Hierarchien – im sozialen, kulturellen oder ökonomischen Sinne.
Das Wort Praxis kommt ebenso aus dem Lateinischen und bedeutet: „Erfahrung“, „Verfahren“, „Übung“. Letztendlich geht es also um ein Handeln, ein wiederholtes Handeln der Befreiung. Auch das Konzept der Zärtlichkeit, das ich in dem Buch Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist anführe, ist eine Praxis des einvernehmlichen, produktiven und solidarischen Handelns zwischen zwei oder mehreren Menschen. Doch warum muss sie dann radikal sein? Und wie funktioniert radikale Zärtlichkeit als emanzipatorische Praxis? Darum geht es in diesem Vortrag.

Şeyda Kurt ist freie Journalist*in, Moderator*in, Speaker*in und Buchautor*in. Sie studierte Philosophie, Romanistik und Kulturjournalismus. Im April erschien ihr Sachbuchdebüt und Bestseller Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist (HarperCollins Germany), in dem sie Liebesnormen im Kraftfeld von Patriarchat, Kapitalismus und Rassismus analysiert und für radikale Zärtlichkeit als ein Programm der Gerechtigkeit plädiert.

Solidarität unter Ungleichen
Dr. Mahret Ifeoma Kupka (Kuratorin I Museum Angewandte Kunst Frankfurt a.M.)

Wie funktionieren Annäherung und Solidarität über strukturell bedingte Differenzen hinweg? Ein erster Schritt mag die Anerkennung von Differenzen und damit verbundenen Machtungleichgewichten sein. Doch was passiert dann? Wie gestaltet sich ein Miteinander, das Ungleichheit anerkennt und zugleich überwindet ohne Aneignung? Die Antwort ist ein Prozess, und wir sind mittendrin. Solidarität unter Ungleichen ist ein ständiges Aushandeln, Abwägen, Probieren, Scheitern, Verwerfen, Neubeginnen. Es ist die Infragestellung von Normen, das Freilegen von Ideologien und die Emanzipation aus festgelegten Rollen. Es ist die Anerkennung von Ambivalenz, Streit und Schmerz und die unbedingte Kollaboration mit dem Ziel einer Gemeinschaft, in der alle gleichberechtig und gleichwertig miteinander verschieden sein können.

Dr. Mahret Ifeoma Kupka ist Kunstwissenschaftlerin, freie Autorin und seit 2013 Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. In ihren Ausstellungen, Vorträgen, Texten und interdisziplinären Projekten befasst sie sich mit den Themen Rassismus, Erinnerungskultur, Repräsentation und der Dekolonisierung von Kunst- und Kulturpraxis in Europa und auf dem afrikanischen Kontinent.

Jein (2020) – Zur Gestaltung von Zweisprachigkeit und Identität in der Graphic Novel Jein
Büke Schwarz (Illustratorin I Berlin)

„Bir dil bir insan, iki dil iki insan.“
[„One language, one person; two languages, two persons.”]

„Jein“ ist eine deutsch-türkische Graphic Novel über Identität, Kunst und Politik. Die Protagonistin Elâ Wolf ist Künstlerin und Berlinerin mit türkischen Vorfahren. Wobei letzteres, ihrer Meinung nach, nichts mit ihrer Kunst und dem Rest ihres Lebens zu tun hat. Vor dem Hintergrund, dass die Türkei am 16. April 2017 mit „Ja“ für das Verfassungsreferendum stimmte, sieht sich Elâ das erste Mal mit einem Problem ihrer zweiten Heimat konfrontiert. Sie stellt sich fortan immer mehr die Frage, ob sie sich mit der politischen Lage auseinandersetzen muss, und falls ja, auf welche Weise.

Büke Schwarz wurde 1988 in Berlin geboren, studierte Bildende Kunst mit den Schwerpunkten Malerei und Grafik an der UdK Berlin und an der UAL London. Ihren Abschluss erhielt sie an der UdK Berlin als Meisterschülerin von Valérie Favre. Zusätzlich erwarb sie einen Master in Gestaltung an der HBKsaar mit dem Schwerpunkt Sequentielle Bilderzählung. Ihr Debüt-Comic „Jein“ erschien 2020 beim Jaja Verlag und wurde noch im selben Jahr mit dem Ginco-Award in der Kategorie „Bester Langcomic“ ausgezeichnet.
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